23. Juni
15 bis 18 Uhr

Neue Ausstellung: „Zwischen Gartenlaube und Russenmagazin“

Ab dem 23. Juni, 15 Uhr, für Besucher geöffnet:

Nichts wie bisher: Alltag am Potsdamer Pfingstberg nach 1945

Als auf der Potsdamer Konferenz im Schloss Cecilienhof im Jahre 1945 „die Neuordnung der Welt“* und die Teilung Deutschlands beschlossen wurden, wirkte sich das auf den Alltag vieler Potsdamer aus. So waren auch die Menschen im Gebiet um den Pfingstberg herum betroffen, das jetzt nahe der Grenze zu Westberlin lag. Arbeiten, Einkaufen und Freizeitaktivitäten waren nun beeinflusst durch die Einrichtung des sowjetischen  „Militärstädtchens Nr. 7“ am Fuße des Pfingstbergs, in dem sich ein Gefängnis des sowjetischen Geheimdienstes KGB und die Zentrale der Auslandsspionage befanden.

Schlagbäume und russische Offiziere

Nicht nur die Infrastruktur änderte sich – auch das soziale Gefüge des Stadtteils. 16 Hektar mit 100 Gebäuden der Vorstadt waren von nun an für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Im Stadtbild erschienen neue Elemente wie Schlagbäume, Wachtürme oder Betonmauern, russische Offiziere und Zivilisten wurden neue Nachbarn. Eingekauft wurde hier jetzt im „Russenmagazin“, einer sowjetischen Verkaufseinrichtung, die für Armeeangehörige und deren Familien bestimmt war, aber auch DDR-Bürgern offenstand. Die Kleingärten am Hang des Pfingstbergs wurden in dieser Zeit wichtige private Rückzugs- und Erholungsorte. Erst mit der Friedlichen Revolution 1989 und dem Abzug der sowjetischen Truppen im Jahr 1994 wandelte sich dieses Potsdamer Gebiet erneut.

Ausstellung mit lebendigen Zeitzeugeninterviews

Vor diesem historischen Hintergrund wird im Belvedere Pfingstberg ab dem 23. Juni 2020 die Ausstellung „Zwischen Gartenlaube und Russenmagazin. Alltag am Potsdamer Pfingstberg 1945-1994“ gezeigt, die Zeitzeugen aus der direkten Umgebung des Pfingstbergs zu Wort kommen lässt. Die bereits bestehende Dauerausstellung zur Geschichte des Pfingstberg-Ensembles im Belvedere wird um einen Raum im Erdgeschoss des Westturms ergänzt. Hier lernen Besucher über drei Medienstationen facettenreiche Lebensgeschichten von Bewohnern kennen. In der Gestaltung greift die Ausstellung typische Hauswände aus der Zeit von 1945 bis 1994 auf, an deren Türen der Besucher klingelt. Im übertragenen Sinne nimmt dieser seinen Gast mit ins Haus – versinnbildlicht wird das zum Beispiel durch typische Tapetenmoden und Fotografien aus Privatbesitz.

Die Zeitzeugen

Zeitzeugen teilen zum ersten Mal persönliche Erinnerungen an ihre Zeit am Pfingstberg. Darunter sind der Regisseur, Fotograf und Drehbuchautor Franz Baake, der 1941 bis 1951 in der Großen Weinmeisterstraße wohnte  und den Einmarsch sowjetischer Truppen in sein Wohngebiet erlebte,  Matthias Freydank, der seine Kindheit und Jugend in der Villa Henckel verbrachte, in der zu DDR-Zeiten ein Altersheim untergebracht war und Mario und René Kade, die in der Höhenstraße aufwuchsen und von einer unbeschwerten Kindheit in den 1980er-Jahren berichten. Diese Geschichten sind zum Teil traurig und rührend, aber auch witzig und humorvoll und spiegeln die jeweilige Wahrnehmung des erlebten Alltags wider. Eingeordnet werden die privaten Erlebnisse in den jeweiligen historischen Kontext.

Ausstellung bis 31. Oktober täglich 10-18 Uhr, November/März samstags, sonntags und feiertags 10-16 Uhr, Schlosseintritt inklusive Ausstellung: 6 € / ermäßigt 4,50 €

Gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.