24. Juli bis 05. September 2021
14 bis 17 Uhr

Astrid Weichelt – Point de vue

„Point de vue“ – Installation und Fragmente zu Schinkel von Astrid Weichelt

Welche Wirkung haben Objekte der Kunstgeschichte heute auf Ihre Betrachter? Wie werden sie wahrgenommen? Die Künstlerin Astrid Weichelt geht diesen Fragen in ihren Arbeiten nach.

Mittels der Technik der Papierabformung, wie sie auch in der Archäologie und Restaurierung zur Reproduktion von Originalen gebraucht wird, befasst sie sich mit ebensolchen historischen Objekten. Diese erhalten eine dünne „Haut“ aus feuchten Papierbögen, die ihnen nach der Trocknung wieder abgezogen wird. Diese Haut zeigt nun zugleich Präsenz und Abwesenheit des jeweiligen Objekts, dessen Abformung nur leere Hülle ist und an eine stattgefundene Berührung erinnert.

In ihrer Ausstellung auf dem Pfingstberg beschäftigt sich Astrid Weichelt insbesondere mit dem Werk Karl Friedrich Schinkels. Der Pomonatempel, der als erster realisierter Entwurf des Baumeisters gilt und in dem die Arbeiten Weichelts zu sehen sind, wird dabei zum Ausgangspunkt für Fragen nach dem Umgang mit dem Erbe Schinkels. So wird an seine verschwundenen Bauten erinnert, deren Relikte zum Teil noch in Museumsdepots lagern. Bauschmuck-Fragmente nach Entwürfen Schinkels, die einen Eindruck von der Qualität seiner Architektur vermitteln, werden von der Künstlerin in Papier abgeformt. Sie stammen zum Teil aus dem Depot der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Ergänzt werden sie von eigenen Zeichnungen nach Stadtplänen und Bauzeichnungen des 19. Jahrhunderts.

Auch der Pomonatempel war mehrfach vom Verschwinden bedroht. Die Pläne von König Friedrich Wilhelm IV. für das von ihm entworfene benachbarte Belvedere sahen den Abriss des Tempels zugunsten einer weitläufigen Treppenanlage vor. Krankheit und Tod des Königs verhinderten dies. Der dramatische Verfall des Tempels begann nach dem 2. Weltkrieg, als Belvedere und Pomonatempel wegen ihrer Nähe zu sowjetischen Militäranlagen gesperrt wurden und in Vergessenheit gerieten. Doch der bis auf die Grundmauern verfallene Tempel konnte bis 1993 wiederaufgebaut werden.

Schinkel erhielt von Beginn seiner Karriere an Aufträge von der königlichen Familie der Hohenzollern. Sein gesamtes Schaffen fiel in die Regierungszeit von Friedrich Wilhelm III. und wurde von dessen ausgeprägter Sparsamkeit überschattet. Ein besonderes Verhältnis bestand zu Friedrich Wilhelm, dem architektonisch begabten und hoch ambitionierten Kronprinzen. Er regte Schinkel zu Entwürfen an, griff aber auch eigenmächtig in dessen Projekte ein.

Vor diesem Hintergrund erinnert die Schau auch an die Beziehungen zur Königsfamilie. Schinkel und einige Personen aus seinem Umkreis versammeln sich hier nochmals im Pomonatempel und werden zum Blickpunkt – zum „Point de vue“. Eine Installation zeigt Porträtbüsten Schinkels, Lennès und einiger Mitglieder der königlichen Familie. Diese sind Papierabformungen von Originalen aus dem Besitz der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Schinkel selbst sprach häufiger vom „Point de vue“,  wenn es um die Schaffung von Sichtachsen oder einheitlicher Ensembles aus Gebäuden und umliegender Natur ging.

Astrid Weichelt wurde in Freiberg/Sa. geboren und studierte an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein/Halle. Sie lebt als freiberufliche Künstlerin in Berlin. Einen Einblick in ihre Arbeit vermittelt die Webseite www.astridweichelt.de.

Ausstellung vom 24. Juli bis 5. September 2020, immer samstags, sonntags und feiertags von 14 bis 17 Uhr, Pomonatempel Pfingstberg, Eintritt frei, Spenden erwünscht! Für einen Besuch ist eine unkomplizierte Registrierung vor Ort erforderlich.