Pomonatempel

Schinkels Schatzkiste

Wer den Pfingstberg in Potsdam erklimmt, ist nicht nur von der imposanten Architektur des Schlosses Belvedere hingerissen. Am Südhang wartet eine im Verhältnis zwar kleine, aber nicht weniger schöne Schatzkiste auf den Entdecker: der Pomonatempel. Dieser ist wahrlich etwas Besonderes, denn er ist das im Jahr 1801 erste ausgeführte Bauwerk des Architekten Karl Friedrich Schinkel. Beauftragt wird dieser damit von Carl Ludwig von Oesfeld, dem an diesem Ort ein großer Weingarten gehört, auf dem der sogenannte Temple de Pomona steht, ein Tempel zu Ehren Pomonas, der römischen Göttin des Obstsegens. Von Oesfeld lässt diesen abtragen und an höher exponierter Stelle als Geschenk an seine Frau in neuem Entwurf von Schinkel wieder errichten.

Pomona (Ausschnitt), Nicolas Fouché, um 1700, The Yorck Project: 10.000 Meisterwerke der Malerei. Wikimedia Commons

Kleines Meisterwerk des Klassizismus im Schlossgarten

Schinkel wählt für sein Gesellenstück, das ein Teepavillon werden soll, die Form eines griechischen Tempels. Vorbild dafür ist die Nordfassade des Erechtheions auf der Akropolis von Athen. Das blau-weiß-gestreifte Zeltdach, das heute im Sommer die Dachterrasse ziert, wird vermutlich erst Jahre später für gesellschaftliche Anlässe ergänzt. Es entspricht dem Geschmack der damaligen Zeit und korrespondiert mit Ausstattungen in anderen Schlössern, wie etwa dem Schloss Charlottenhof.

Zeichnung von Karl Friedrich Schinkel, 1800, Potsdamer Schlösser und Gärten, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, 1993, Wikimedia Commons

Der König stirbt, der Pomonatempel kann bleiben

Als 1847 mit dem Bau des Belvedere begonnen wird, ist eigentlich geplant, den Schinkelbau abzureißen, denn er steht den großangelegten Ideen Friedrich Wilhelms IV. für das Schloss im Wege. Eigentlich soll es hier hängende Gärten, Freitreppen und eine Wasserkaskade geben. Doch der König stirbt vor Bauabschluss, das Belvedere bleibt ein „unfertiger“ Prachtbau. Nachfolger Wilhelm I. lässt das Schloss in reduzierter Weise fertigstellen. Der berühmte Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné, mit der Gestaltung der Gartenanlage beauftragt, bezieht den Pomonatempel in sein Kunstwerk ein und schafft harmonische Verhältnisse: Ein halbrunder Laubengang verbirgt geschickt die asymmetrische Stellung des Schinkelpavillons gegenüber dem Belvedere und leitet gleichzeitig zu ihm über.

Pomonatempel Ende der 1980er-Jahre, © Peter Frenkel

Verfall und Wiederaufbau des Tempels nach 1945

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs dürfte der Pomonatempel durch die Nähe zum Belvedere für Pfingstbergbesucher ebenfalls eine Sehenswürdigkeit gewesen sein. Im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele in Berlin finden am Tempel 1935/36 Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten statt. Noch einmal vor dem Krieg erstrahlt er in seiner Schönheit. Die Kämpfe übersteht er zwar weitestgehend ohne Schäden, obwohl er als Aufenthaltsraum für die Flakwache genutzt wird – nach 1945 verfällt er dann aber bis auf die Grundmauern. Durch die Nähe zum sowjetischen Militärstädtchen Nr. 7, die sowjetischen Garnisonen und die innerdeutschen Grenzanlagen nach der Teilung Deutschlands liegt das Kleinod wie das Belvedere auf schwer zugänglichem Terrain.

Der Pomonatempel heute, © SPSG, FVP, Foto: Leo Seidel

Wiederentdeckung und Rekonstruktion des historischen Gebäudes

Mit dem Engagement junger Potsdamer für das Schloss Belvedere Ende der 1980er-Jahre rückt auch der Pomonatempel wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Der nach der Wiedervereinigung der zwei deutschen Staaten gegründete Förderverein Pfingstberg in Potsdam e.V. setzt sich auch für seinen Wiederaufbau ein. Mit einer Spende der Hermann Reemtsma Stiftung wird Schinkels Werk schließlich von 1992 bis 1993 rekonstruiert und ist seitdem für die Öffentlichkeit wieder zugänglich.
Heute wird der Pomonatempel jedes Jahr von Ostern bis Oktober zur Schatzkiste: Im Innenraum finden wechselnde Kunstausstellungen statt und die Dachterrasse wird im Rahmen von Kultur in der Natur für Märchenerzählungen genutzt sowie für private Feiern vermietet.

Noch mehr Geschichte: Zum Lenné-Park geht es hier entlang.

Einen ausführlichen Überblick über das Pfingstberg-Ensemble erhalten Sie in der Dauerausstellung im Schloss Belvedere.