Keimzeit Akustik Quintett

24.06.2017

Keimzeit Akustik Quintett (c) F. Gaudlitz

Kling Klang auf dem Pfingstberg

Mademoiselle Albertine est partie! Mademoiselle Albertine ist fort! Die Suche nach der Geliebten wird für Marcel, Erzähler und Hauptfigur des Romans, zur Passion und zum Protokoll seines Seelenlebens. Einblicke in die tiefere Gefühlswelt gewährt auch das zweite Studio-Album des Keimzeit Akustik Quintetts. Der Tonträger trägt daher nicht ohne Grund den Namen der verschwundenen weiblichen Romanfigur „Albertine“, einer Figur, die wie ein Mysterium für das Gestern und Heute zugleich steht. „Es war für mich unglaublich spannend zu erkennen, dass viele Gedanken, Gefühlswelten und Ereignisse aus dem Prousts Romanzyklus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, der Anfang des 20. Jahrhunderts erschien, heute noch genauso aktuell sind wie damals“, erklärt Sänger und Hauptschreiber Norbert Leisegang.  „Das hat mich inspiriert den Song „Albertine“ zu schreiben. Am Ende zieht sich diese Erkenntnis wie ein Leitmotiv durch das ganze Album.“  

Das Keimzeit Akustik Quintett macht ernst. Erst nur als Seitenprojekt zufällig durch einen Auftritt bei einem Polterabend gegründet, ist nun mit „Albertine“ ein Album entstanden, das vieles, was die Songs von Keimzeit und Norbert Leisegang seit je her auszeichnet, konzentriert überträgt. Die Musik des Keimzeit Akustik Quintetts ist dabei, wie der Name schon vermuten lässt, akustisch geprägt. Ein Großteil der Band spielt mittlerweile schon seit 2010 zusammen. Der Sound ist in der Klangwelt  der 60er und 70er verwurzelt. „Unser Sound darf gefällig sein, muss er aber nicht. Wir machen Popmusik ohne uns zu verbiegen“, erläutert Leisegang sein musikalisches Credo.  

In die Rubrik „weniger gefällig aber dafür umso spannender“ fällt der im Sprechgesang gesetzte A-Capella Song „Überall ist immer jemand“. Die Idee zu dem Lied entsprang dem Roman „Agnes“ von Peter Stamm. Das Buch erzählt aus der personalen Perspektive des Erzählers die Liebesgeschichte zwischen dem Ich-Erzähler und Agnes, einer jüngeren Physikstudentin. Der Song übernimmt dabei in wenigen lyrischen Mantras die Gedankenwelt des Ichs: „Wie ein Kristall mit tausend Kanten. So ist mein Kopf nie ohne Gedanken“.  

Auf einer realeren Schiene bewegt sich das Lied „Gerade noch jung“. Es geht um das Älterwerden und die aufkeimende Liebe zu Erlebtem. Der schwungvolle Country-Song mit energetischen Rockabilly Gitarren schwelgt in Erinnerungen an vergangene Erlebnisse und Jugendidole. Norbert Leisegang dazu: „Ich bin immer wieder gefangen in den Emotionen der Jugend. Bei Supertramp geht mir zum Beispiel immer noch das Herz auf, die gehören halt zum Soundtrack meines Lebens."

Nachdenklich und mit Verlinkung in die Kriege unserer Zeit stellt der komplex komponierte Pop-Song „Helden“ den martialischen Begriff in Frage. Es geht um Gedenkstätten, steinerne Monumente, die den sinnlosen Tod unzähliger junger Männer in den beiden Weltkriegen glorifizieren. Leisegang stellt zudem die Frage, ob am Ende nicht  die Frauen, die den Alltag mit den Kindern allein zu regeln haben, die wahren Helden sind.  

Hintergründige Bezüge zum Hier und Jetzt offenbart auch der Song „Münzen und Scheine“, der das Erlernen von Konsum und Geldgier von Kindesbeinen an in den Mittelpunkt stellt. Im akustischen Reggae-Sound wird das beherrschende Wertkonstrukt unserer ökonomisierten Welt im entspannten Sunshine Rhythmus liebevoll seziert. 

Mademoiselle Albertine est partie! Mademoiselle Albertine ist fort! Die Suche nach der Liebe bestimmt das Leben. Vergangenes und Jetziges verschmelzen zu einem Einklang. Aufrichtige Gefühle und Gedanken, gepaart mit der Fähigkeit eigenwillige und doch bewegende Songs zu schreiben, bestimmen die Szenerie. Am Ende entsteht eine vielfältige Welt, die Text und Musik zu einer einzigartigen Einheit verwandelt. Einer Einheit, die uns Lied für Lied die „verlorene Zeit“ suchen und manchmal auch finden lässt.

Die Songs des neuen Albums stehen im Mittelpunkt des Konzerts. Ergänzt wird die Setliste aber natürlich von den berühmten Keimzeit Klassikern wie Kling Klang, Singapur oder Amsterdam.

Vor dem Konzert haben Sie die Möglichkeit zu einer kostenfreien Besichtigung des Belvedere auf dem Pfingstberg und können die Aussicht von den Türmen genießen.

Das Konzert ist eine Veranstaltung der Havelländischen Musikfestspiele in Kooperation mit dem Förderverein Pfingstberg in Potsdam e.V.

Gartenanlage des Belvedere

Einlass: 18:30 Uhr

Beginn: 20 Uhr

Preis VVK 14 bis 28,- / AK 32,- EUR

Tickets unter: Havelländische Musikfestspiele

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