Das Belvedere auf dem Pfingstberg - unvollendeter Traum des Königs

Der Bau des Belvedere begann 1847. Zuerst entstanden die beiden Türme, mit je einem römischen und einem maurischen Kabinett sowie einer verbindenden Nordgalerie. Es folgten die einen ersten Innenhof umfassenden seitlichen Arkaden mit darüber liegenden Kolonnaden. Der zweite Innenhof war zwischen den Flügelmauern und einem zweigeschossigen Casino als Gästehaus wie im Vorbild in Caprarola geplant. Eine Freitreppenanlage mit Springbrunnen, Wasserkaskade und Terrassen am Südhang des Pfingstberges sollte die Verbindung zum Neuen Garten herstellen. 1852 wurde der Bau zugunsten der Orangerie von Sanssouci unterbrochen und erst 1861 nach Krankheit und Tod Friedrich Wilhelm IV. von dessen Bruder Wilhelm I. in eingeschränkter Weise zum Abschluss gebracht. Das Wasserbassin im Innenhof erfüllt neben der architektonischen Spiegelung die technische Funktion eines Hochbehälters für die Bewässerung des Neuen Gartens. Das Bassin wird auch heute noch mit Wasser aus dem Jungfernsee durch ein Pumpwerk in der Meierei des Neuen Gartens gespeist.

Nur wenige Jahre nach der Fertigstellung des Baus war das Belvedere nicht mehr nur Mitgliedern und Gästen des Königshauses vorbehalten, sondern auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich, wobei es strenge Regeln einzuhalten galt. So war beispielsweise das Rauchen von Tabak ebenso untersagt wie das Mitbringen von Hunden. Das Belvedere erfreute sich wachsender Beliebtheit, wie zahlreiche Postkarten aus der Zeit um 1900 belegen. Nach zahlreichen notwendigen Reparaturen aufgrund von Material- und Baumängeln wurde das Pfingstbergensemble 1936 anlässlich der Olympischen Spiele in Berlin noch einmal renoviert.
 
Trotz Kämpfen um den Pfingstberg erlitten die Gebäude während des Zweiten Weltkrieges keine wesentlichen Schäden und die Aussicht von den Belvederetürmen war weiterhin für Besucher zugänglich. Erst 1961 wurde das Belvedere wegen der örtlichen Nähe und der guten Sicht auf die innerdeutschen Grenzanlagen und die Militäranlagen der sowjetischen Garnison für den Besucherverkehr gesperrt. Zu dieser Zeit zog auch die Witwe des letzten Kastellans aus der Wohnung in der Nordfront des Belvedere aus. Zubetonierte Fenster und verbarrikadierte Türen demonstrierten Verlassenheit, die dem Vandalismus freien Lauf ließen. Der Park war als künstlerische Anlage bald nicht mehr zu erkennen. Wegweiser oder Publikationen gab es kaum, seit 1980 war das Pfingstbergensemble auch aus dem Potsdamer Stadtplan verschwunden.

Erst 1988 begann man aufgrund der Aktivitäten der "Arbeitsgemeinschaft (AG) Pfingstberg“ im Potsdamer Kulturbund wieder auf den Pfingstberg aufmerksam zu werden. Die Parkanlage wurde von Gestrüpp befreit, das östliche Rasenparterre und die Wege wieder freigelegt. Nach der Wiedervereinigung gelang dem nun gegründeten Förderverein Pfingstberg in Potsdam e.V. die Einwerbung zahlreicher Spenden für Wiederaufbau und Sanierung des Gebäudes. 1994 konnte die Eigentümerin des Pfingstbergensembles, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), erste Arbeiten zur Sanierung des Bauwerks einleiten. Im April 2001 wurde der westliche Aussichtsturm wieder eröffnet, im Juli 2003 wurden auch der Ostturm, die Ostkolonnade und die Nordarkade fertiggestellt und im Mai 2005 konnte mit der Fertigstellung der äußeren Flügelmauern die Sanierung des historischen Gebäudes auf dem Pfingstberg beendet werden. Die vollständige Wiederherstellung des Belvedere ist neben den vielen tausend Einzelspenden vor allem auch den Großspenden von Prof. Dr. Werner Otto und der Hermann Reemtsma Stiftung zu danken.

Die dem Verfall anheim gegebene märchenhaft romantische Ruine im verwilderten Park der späten 1980er Jahre wandelte sich zu einer majestätischen Erscheinung, die den Namen "Krone über der Stadt" wahrlich verdient hat. Heute steht das Belvedere für Potsdams schönste Aussicht, vielfältige kulturelle Nutzung ebenso wie für private Anlässe, Gesellschaften und Empfänge der Öffentlichkeit zur Verfügung.
 

Zurück